A Attitude of Gratitude

Der Pastor in unserer Kirchengemeinde ist wie ein alter Arzt. Er hat viel Weisheit, viele Erfahrungen und keine Angst deinen Schmerzen auf den Grund zu gehen – auch wenn das erst mal große Schmerzen verursacht.

Jeden Sonntag fühlt er uns auf den Zahn und zeigt keine Gnade. Die Wahrheit wird bei ihm nicht versteckt, nicht in rosa Papier verhüllt. So kommt man aus dem Gottesdienst und beginnt zu wachsen und zu heilen.
Wenn man eine unbehandelte Wunde hat, vernarbt diese manchmal ganz fürchterlich und lässt das umliegende Gewebe nicht mehr flexibel sein und wachsen.

So ist das manchmal mit meiner Seele. Da ich Wunden mit aller Gewalt vor Fremdeinwirkung schütze, verhindere ich damit, dass mir geholfen wird. Garth ist einer dieser „Ärzte“, die deine Hand wegschieben, dich genau inspizieren und dann helfen.

Vor ein paar Wochen sprach er über eine dankbare Herzenshaltung.
Dazu haben wir folgende Bibelstelle gelesen:

Und es geschah, als er (Jesus) nach Jerusalem reiste, dass er durch das Grenzgebiet zwischen Samaria und Galiläa zog. Und bei seiner Ankunft in einem Dorf begegneten ihm zehn aussätzige (leprakranke) Männer, die von ferne stehen blieben.

Und sie erhoben ihre Stimme und sprachen: Jesus, Meister,
erbarme dich über uns!
Und als er sie sah, sprach er zu ihnen: Geht hin und zeigt euch den Priestern!

Und es geschah, während sie hingingen, wurden sie rein (geheilt).
Einer von ihnen kehrte wieder um, als er sah, dass er geheilt worden war, und pries Gott mit lauter Stimme, warf sich auf sein Angesicht zu Jesu Füßen und dankte ihm; das war ein Samariter.

Da antwortete Jesus und sprach: sind nicht zehn rein geworden?
Wo sind aber die neun? Hat sich sonst keiner gefunden der umgekehrt wäre, um Gott die Ehre zu geben, als nur dieser Fremdling?

Und Jesus sprach zu ihm: Steh auf und geh hin; dein Glaube hat dich gerettet!

Lukas 17, 11-19

Erst dachte ich, dass man Leprakranke nicht wirklich mit mir, einer kinderlosen Frau, vergleichten kann. Doch als ich weiter darüber nachdachte, änderte ich meine Meinung.

Lepra wird durch ein Bakterium verursacht, das erst leichte Symptome zeigt. Die Betroffenen wissen bereits von ihrer Krankheit, versuchen es aber meist zu verstecken, da die Erkrankung ansteckend ist und sie von ihren Mitmenschen isoliert.
Daher wird nicht darüber gesprochen, heimlich versucht sein Schicksal zu wenden.
Doch mit der Zeit werden die betroffenen Körperregionen unempfindlich und die Erkrankten verletzen sich schnell und häufig.
Die Muskeln deformieren sich und entstellen Körperteile. Diese können nicht mehr verwendet werden und sehen verstümmelt aus.

Eine schreckliche Erkrankung! In Indien und Afrika ist Lepra weltweit am stärksten verbreitet und stellt ein Problem dar weil sich die Erkrankten keine medikamentöse Behandlung leisten können.

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In manchen Hinsichten hat Lepra aber einige Parallelen mit der ungewollten Kinderlosigkeit: am Anfang ist es meist noch möglich so zu tun als wäre man nicht betroffen und würde sich in der Hinsicht noch keine Gedanken machen. Langsam bröckelt dann aber die Fassade und man kann nicht mehr verstecken wie sehr einen die lästigen Fragen verletzen.

Mit der Zeit werden Wunden immer sichtbarer und man kann Gaben und Sehnsüchte nicht gebrauchen/befriedigen. Man fühlt sich verstümmelt, weil man einfach nicht in der Lage ist liebevolle Fürsorge in der eignen Familie zu praktizieren wie man es sich wünscht. Man fühlt sich isoliert weil man nicht in der gleichen Lage ist wie Freunde, Geschwister, Bekannte.
Es wird (häufig) über deinen Kopf hinweg geredet, weil du dazu sowieso nichts sagen kannst und selbst wenn, hat es nicht den gleichen Wert wie von anderen Eltern.

Und das schlimmste, das beide Situationen gemeinsam haben: du kannst nichts dagegen tun (vor allem wenn medizinische Möglichkeiten ausgeschöpft sind). Dir sind die Hände gebunden und du kannst nur darauf hoffen, dass ein Wunder geschieht.

Ich finde der Aussätzige Mann in dieser Geschichte ist bewundernswert. Er war ein Samariter, gehörte also nicht zum jüdischen Glauben und machte sich deshalb (wahrscheinlich) auf den Weg nach Hause statt zum Priester um sich von dem als geheilt erklären zu lassen. Sicherlich hatte er seine Familie eine ganze Weile nicht mehr gesehen und konnte sein Glück nicht fassen als er realisierte, dass er geheilt war!
Doch statt seinen Schritt in Richtung Heimat zu beschleunigen, drehte er um um Jesus zu danken und ihn zu preisen!

Jetzt denkst du vielleicht: na, der hat sein Wunder ja auch bekommen! Er wurde geheilt! Würde ich auch ein Wunder bekommen und könnte schwanger werden, wäre ich auch dankbar…
Hmm, stimmt. Aber die neun anderen Aussätzigen sind auch geheilt worden. Warum kam nur der eine zurück? Hatte er mehr Grund zu danken als die anderen?

Soweit ich es an mir beobachtet habe, nimmt meine dankbare Einstellung schnell ab wenn ich mich nicht daran übe.
Wenn ich nur etwas positives an einer Situation sehe, wenn Sie genauso ist, wie ich es möchte, dann kommt das nicht gerade häufig vor, oder? Maule ich aber über alles, das nicht gut ist, dann kann es mir nichts und niemand recht machen, selbst wenn alles glatt läuft.

Dieser Mann hat ganz offensichtlich seine dankbare Herzenshaltung bewahrt, auch in einer sehr schwierigen Lebenssituation. Das befähigte ihn dann auch dieses unbeschreibliche Wunder mit einem Herzen voll Dankbarkeit zu begrüßen. Er wusste genau was zu tun war als er seine geheilte Haut sah!

Ok, jetzt zu uns Ladies.
Wenn wir (und damit meine ich vor allem mich selbst!) nicht in der Lage sind im jetzt und hier positive Aspekte zu finden und dafür zu danken, dann ratet mal was passiert wenn uns so ein großes Wunder widerfährt.
Wir finden sicher etwas zu meckern über die Schwangerschaft, dann über zu wenig Schlaf, dann ist das Kind sicherlich auch nicht immer ein Engel und so geht es weiter…

Lasst uns heute, jetzt, anfangen dankbar zu sein! Klar ist nicht immer alles Sonnenschein, aber das heißt nicht, dass wir nicht danken können!

Hier sind nur einige wenige der Punkte, für die ich meinen Gott von Herzen dankbar bin, die ich aber so oft als selbstverständlich ansehe:

Ich habe einen Mann, der mich mit seinem ganzen Herzen liebt und über Meere und Berge für mich gehen würde. Ich weiß wie sehr es ihm weh tut mich traurig zu sehen und wie sehr er sich wünscht das ändern zu können. Er ist so ein Geschenk!

Unsere Familien sind immer für uns da, unterstützen uns wo sie nur können und begleiten uns mit ihren Gebeten – jeden einzelnen Tag!

Wir sind sicher, brauchen uns keine Sorgen um Essen, Trinken oder unser Überleben zu machen. Unser Haus bietet uns mehr als wir brauchen und wir dürfen in einem Land leben, das Überfluss hat, in jeder Hinsicht.

Unsere Gemeinde ist ein geistliches zu Hause, das wir uns so nicht einmal im Traum hätten denken können.

Wir genießen es jeden Tag unserer Arbeit nachzugehen – leider können das nicht viele Menschen von sich behaupten.

Was fällt dir spontan ein? Wofür kannst du dankbar sein?

Gruß

 

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