Einsam, und doch nicht allein

Mein Entschluß war, dass dieser Blog etwas Positives und Ermutigendes sein sollte, etwas, das vor allem Kinderlosen, hilft.
Aber wisst ihr was? Heute kommt ein Post, der ungeschminkt ist und jemanden vielleicht runterzieht. Das ist mir aber heute egal. Heute ist einer meiner dunklen Tage. Einer, den ich normalerweise gut verstecke und mit niemandem teile.

Meine Schwägerin ist schwanger, eine andere hat vor kurzem ein wunderschönes Kind zur Welt gebracht, meine Schwester wird im Sommer entbinden und auch Kununurra ist voller dicken Bäuche und Mütter. Alle meine Freundinnen sind Mütter von mindestens einem Kind und wir unterhalten uns ständig über die Kinder.
Versuchen Freunde das Thema zu meiden, werden Unterhaltungen unnatürlich und ich fühle mich ausgeschloßen. Reden wir über die Kinder, bricht es mir an Tagen wie diesen, das Herz.

Man kann es mir einfach nicht recht machen. Und ich weiß selbst nicht was der beste Umgang mit mir ist.
Wußtet ihr, dass die Angst, Depression und das Leiden von einer unfruchtbaren Frau die Gleichen sind wie bei Krebspatientinnen oder chronisch Kranken?
Es ist komisch, aber irgendwie beruhigt mich das ich nicht überreagiere, sondern dass es normal ist, dass man diese tiefe Form von Trauer empfindet wenn man nicht in der Lage ist Kinder zu haben.

Ich habe beschloßen das alles nicht in mein persönliches Tagebuch zu schreiben, wie sonst immer, sondern euch allen einen Blick in mein Herz zu geben, weil Unfruchtbarkeit so eine unendlich einsame Krankheit ist.
Natürlich habe ich Andy und ich weiß nicht, wie ich durch diese dunklen Täler gehen würde, wenn ich nicht seine Unterstützung und seinen Trost, seine Gebete hätte. Und was noch viel wichtiger ist: ich habe meinen Gott, meinen Herrn und Heiland, dem ich mein Leid klagen kann. Trotzdem fühle ich mich an Tagen wie diesen so allein und einsam, weil einfach niemand da ist, der weiß, wie ich mich fühle, wenn ich einen stolzen werdenen Vater beglückwünsche. Niemand kann fühlen, wie groß die Leere ist, wenn Familien ein unerwartetes, manchmal auch unerwünschtes weiteres Kind bekommen und mein Schoß leer bleibt. Nein, ich wollte niemals stolz über die Fortschritt meines Haustieres erzählen weil sie einfach zu so einem großen Ersatz für mich geworden ist.
Manchmal ist meine Trauer so groß, dass ich mich am Liebsten ganz weit weg verstecken möchte ohne jemanden wissen zu lassen. Oft sind einfach keine Worte da, nur Trauer.

Ich möchte euch aber auch sagen, dass ihr nicht alleine seid – ich bin nicht alleine. Wir alle fühlen uns manchmal so.
Doch morgen scheint die Sonne wieder. Morgen werdet ihr in einen neuen Tag starten können und sehen, wie reich uns Gott segnet. Morgen werden wir stärker sein und morgen werden wir vielleicht jemanden in die Arme nehmen und wirklich, ehrlich trösten können, weil wir heute noch in diesem dunklen Tal steckten.

Unser Herr läßt uns nicht unnötig all diese schrecklichen Stunden durchleben – er will uns zu ganz besonders wertvollen Menschen formen, die eine Aufgabe haben.

Diesen Post habe ich nicht geschrieben, damit sich jemand schlecht fühlt und seine Freude nicht mehr mit mir teilt. Ich möchte vielmehr, dass die, die auch in dieser Dunkelheit stecken wissen, dass Unfruchtbarkeit eine Erkrankung ist, die nicht weniger invasiv ist als andere Leiden. Und ich möchte, dass ihr wisst, dass ihr nicht allein seid. Auch ich fühle mich so, auch ich schreie an Tagen wie heute zu Gott und frage wo der Sinn dahinter ist, dass ich mich so fühlen muss.

Abschließen möchte ich aber mit folgendem:
Gott ist gerecht und er legt uns nicht mehr auf als wir tragen können. Genauso wie beim Muskelaufbau, geht der Herr immer wieder an unsere Grenzen und morgen wundern wir uns, dass wir plötzlich mehr tragen können.

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4 Kommentare zu „Einsam, und doch nicht allein

  1. Ach Süße, es ist so klar, dass man manchmal vom Leben runter gezogen wird- Es ist gut, dass du dein Leid mit uns teilst. Dazu sind wir hier. Leid und Freude teilen. Nicht einsam sein. Auch ich bin heute panisch und merke wie dieses „und wenn wir nie…“ in mir hochkriecht…. aber ganz ehrlich, wären wir Mütter, dann würde es uns aus anderen Gründen befallen, wir hätten anderen Kummer. Ob der nun „besser“ wäre, vermag ich nicht zu sagen. Ich bin zwar nicht gläubig, aber eines leuchtet mir ein: Sollte es einen Gott geben, dann ist sein Plan so groß, dass kein Mensch ihn jemals ganz verstehen kann. In diesem Sinne hoffe ich für dich, dass du dich sicher in seiner Hand weist und bald schon wieder Freude und Frieden im Herzen findest! Liebste Grüße, Frau Einstrich

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    1. Du bist wundervoll! Vielen Dank, genau diese Worte brauchte ich! Heute sieht die Welt auch wieder ganz anders aus und mir ist auch bewußt, dass da etwas ganz besonderes auf mich wartet. Es ist nur manchmal so hart diesen Weg zu gehen wenn man sich so allein damit fühlt. Mein Problem ist im Moment vor allem, dass mir jetzt einfach klar wird, dass sich alle Türen zum Wunschkind schließen und ich mich mit dem Gedanken anfreunden sollte Glück ohne Kinderglück zu finden. Ich nehme an das braucht Zeit – und Gebet – und ein paar solche Abende wie gestern…

      Ich bin ganz gespannt was 2017 für euch bringt und halte euch (hoffentlich bald drei) in meinen Gebeten!
      xxx

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  2. Liebe Kati, Danke für Deine Offenheit! ❤ ja, es ist schwierig für jemanden „von außen“, wenn man Dich leiden sieht/liest und tatsächlich nicht genau nachfühlen kann, was Du durchmachst. Und als Mutter kann ich das schon gar nicht. Dass es Dir nicht besser geht, wenn ich Dich mit meinen mutterspezifischen Problemen vollquatsche, ist mir auch klar.
    Aber ich freue mich, dass Du an Jesus festhältst und Du ihm vertraust (welches eine große Belohnung hat 😀). Nur so kommen wir weiter: ihm vertrauen und ihn beim Wort nehmen, weil er treu und so gut ist!

    Oft geht es mir mit meinen Single-Freundinnen so. Sie wollen einen Mann, wissen aber, dass ich zwar einen habe, wir jedoch unsere Kämpfe durchstehen müssen 😉. Trotzdem: was soll ich ihnen als Ehefrau sagen? Wir nehmen einfach Anteil an dem Leben (und manchmal Leiden) der anderen, bestärken uns und gehen miteinander. Hoffentlich immer auf der Zielgeraden…
    Lass Dich lieb drücken, Du herziges Wesen!
    Liebe Grüße aus dem kalten Deutschland, Esther

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    1. Du bist ein Schatz! Danke für deine Worte und genau das ist, was mich in solchen Situationen aufrichtet und wieder auf die Beine bringt: mein Jesus, der einen wunderbaren Plan mit mir hat. Er verlässt mich nicht. sondern formt mich durch solche Gefühle. Ich möchte damit nicht sagen, dass es Spaß macht und ich danach frage, aber immer wieder komme ich daraus als eine stärkere und verständisvollere Person heraus. Ich weiß, dass mein Weg wichtig ist, vielleicht nicht so sehr für mich wie manchmal für andere. Trotzdem bin ich so unendlich dankbar, dass ich nicht alleine sein muss wenn es mir so schlecht geht. Danke, danke, danke! xxx

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